Vereinschronik 1908 – 2018

1908 – 2018: 110 Jahre Obst- und Gartenbauverein Ommersheim e.V.

Am Sonntag, dem 8. Januar 1908, trafen sich im Saale der Wirtschaft Hofmann (heute Gasthaus Spielmanns) viele der damaligen Ommersheimer Obsterzeuger, um auf Anregung des rührigen Ortspfarrers und Naturfreundes Jakob Kuhn (Pfarrer in Ommersheim von 1894 bis 1911) den Obst – und Gartenbauverein zu gründen.

Auf Anhieb traten fünfzig der anwesenden Männer dem Verein als Mitglieder bei. Die damaligen Statuten des Obstbaumvereins, wie er sich ursprünglich nannte, ließen nur „ unbescholtene Männer über 16 Jahre“ als Mitglied zu. Eine Kopie dieser ersten Satzung ist noch heute in der Kelterstube des Vereins zu sehen.

Von Beginn an setzte unter dem 1. Vorsitzenden Josef Vogelgesang, der die Geschicke des Vereins über zwanzig Jahre leiten sollte, ein reges Vereinsleben ein. Noch im gleichen Jahr wurden ein viertägiger Obstbehandlungskurs und mehrere Lehrgänge über die Schädlingsbekämpfung im Obstbau durchgeführt. Dank eines Zuschusses der königlich-bayerischen Regierung konnte auch schon bald eine Obstbaumspritze angeschafft werden. Anekdotenhaft ist diese Episode der Vereinschronik in den Ausführungen des damaligen Geschäftsführers Paul Wannemacher in der Festschrift zum fünfzigjährigen Stiftungsfest des Obst- und Gartenbauvereins Ommersheim von 1958 wie folgt geschildert: „Um die Kosten für die Anschaffung einer Obstbaumspritze in Höhe von 56 Mark zu decken, wurde an die königlich-bayerische Regierung ein Schreiben gerichtet mit der Bitte, hierzu eine Beihilfe zu gewähren. Diesem Wunsch ist die königlich-bayerische Regierung nachgekommen und gewährte eine Beihilfe von 20 Mark.“

Die Generalversammlung im Januar 1911 fasste den Beschluss, in der Gewanne „Hinter Roten“ – an der Gemarkungsgrenze zu Aßweiler zwischen Saarbrücker Straße, Allmend und der B 423 – eine Obstanlage mit über 300 Apfelbäumen anzulegen; weitere gut 120 Bäume wurden über die Gemarkung verteilt. Schulungsabende über Baumschnitt, Veredelung, Schädlingsbekämpfung im Obstbau rundeten das Vereinsprogramm ab. Das älteste, heute leider nicht mehr im Original vorhandene Mitgliederverzeichnis trägt das Datum 31. März 1912. Im Frühjahr 1914, zu einer Zeit als der Verein 54 Mitglieder zählte, pflanzte man an der Straße nach Oberwürzbach zahlreiche Birnbäume an. Der Ausbruch des 1. Weltkrieges setzte den Vereinsaktivitäten jedoch erst einmal ein abruptes Ende. Die erste Versammlung nach Ende des Krieges fand am 7. Dezember 1919 in der Wirtschaft Wack, später Gasthaus „Zum Lamm“, statt. Abermals übernahm Josef  Vogelgesang den Vorsitz. Seit 1920 nahm der Verein regelmäßig an Obstausstellungen teil, wo bisweilen sehr schöne Erfolge erzielt werden konnten. In der Generalversammlung am 29. März 1929 legte Josef Vogelgesang altersbedingt sein Amt als
1. Vorsitzender nieder. Neuer Mann an der Spitze des Vereins wurde Adam Wannemacher, dessen Nachfolge zwei Jahre später Josef Walle antrat. Unter seinem Vorsitz führte der rührige Verein mehrere Lehrfahrten in größere Obstanlagen und Versuchsanstalten durch. Mit Ausbruch des 2. Weltkrieges im September 1939 kam das Vereinsleben abermals komplett zum Erliegen. Die Neugründung erfolgte erst drei Jahre nach Kriegsende am 22. Februar 1948, und es war erneut Josef Walle, der sich als 1. Vorsitzender zur Verfügung stellte.

In den Nachkriegsjahren bedeutete der eigene Garten am Haus und der Obstanbau, vor allem am Ortsrand, immer noch ein hohes Maß an Versorgungssicherheit mit selbst erzeugtem Obst und Gemüse.

Als dann im Februar 1953 Gustav Hartz das Amt des 1. Vorsitzenden übernahm, war dies mit einer raschen Aufwärtsentwicklung für den Verein verbunden. Immer mehr trat der Wunsch nach einer eigenen Obstverwertungsanlage in den Vordergrund. Nach teilweise sehr heftigen Auseinandersetzungen konnte man 1956 in der Kallenbachstraße ein entsprechendes Baugrundstück erwerben. Dieses wurde jedoch bald wieder verkauft, da die Gemeinde günstigeres Gelände in der Neuwiesstraße zur Verfügung stellte. Das benötigte Geld zur Finanzierung der Anlage sollte von den Vereinsmitgliedern in Form einer Zeichnung eines zinslosen Darlehens aufgebracht werden. Diese Geldzeichnung übertraf die kühnsten Erwartungen, kamen doch nahezu 600.000 Franken zusammen, und nicht zuletzt bedingt durch über 1400 unentgeltliche Arbeitsstunden der Mitglieder konnte noch vor Einbruch des Winters der erste Bauabschnitt realisiert werden. Am 31. Oktober 1956 stellte man in  der Süßmosterei den ersten Apfelsaft her, und im Dezember des gleichen Jahres ging auch die Brennerei in Betrieb. Die Zulassung als Obstgemeinschaftsbrennerei durch das Finanzamt Homburg vom 22.12.1956 und das Protokoll der Generalversammlung des Obst- und Gartenbauvereins und der Brennereigenossenschaft Ommersheim vom 16.09.1956 und eine Mitgliederliste sind wohl die ältesten Originaldokumente aus dieser Zeit.

Die damals zur Apfelsaftherstellung angeschaffte Packpresse ist heute immer noch in Betrieb. Nach weiteren vielen freiwilligen Arbeitsstunden konnte rechtzeitig zum fünfzigjährigen Gründungsjubiläum 1958 der zweite Bauabschnitt der Obstverwertungsanlage fertig gestellt werden. Das ist der Teil des Brennereigebäudes, in dem sich heute die Kelterstube mit Küche und Toiletten befinden. Was die Anlage zu leisten vermochte, sollen nachfolgend einige Zahlen verdeutlichen: allein 2000 Zentner Zwetschgen wurden im sehr obstreichen Jahr 1961 in der Brennerei zu Schnaps gebrannt. Zusammen mit den anderen Obstarten stellte man in diesem Jahr insgesamt 16.800 Liter Schnaps her. Obwohl die Anlage quasi im Dauerbetrieb arbeitete, konnte dennoch nicht alles Obst verwertet werden und notgedrungen mussten weitere 1.500 Zentner Zwetschgen zu einem Spottpreis von 4,50 DM pro Zentner auf den Großmarkt in Dortmund verkauft werden.

Auch das Jahr 1967 erwies sich als ein sehr ertragreiches: alle Obstarten zusammen erzielten ein Spitzenergebnis von 12.000 Litern Schnaps. Dazu kamen noch einmal 45.000 Liter Apfelsaft. Vom langjährigen 1. Vorsitzenden Gustav Hartz und dem damaligen Geschäftsführer Paul Wannemacher stammte die Idee, im Zuge der Landzusammenlegung eine Gemeinschaftsobstanlage anzulegen. Als man den später verfeinerten Plan in einer Versammlung vorlegte, fand er auf Anhieb allgemeine Beachtung und Zustimmung. Die fachgerechte Planung und Realisierung dieser Gemeinschaftsobstanlage lag bei dem damaligen Kreisobstbauoberinspektor und früheren 2. Vorsitzenden des Vereins, Hans Schmitt, in guten Händen. Über 9.000 Bäume zählte diese Anlage damals und erstreckte sich auf einer Fläche von 14 Hektar.

In den Gründerjahren bis zur Mitte der Fünfziger Jahre war der Verein überwiegend auf ideellem Gebiet tätig. Danach stand zunehmend die wirtschaftliche Tätigkeit im Rahmen der fast schon professionellen Obstverwertung im Vordergrund. Weil sowohl Steuerrecht als auch Vereinssatzung die vom Verein angebotenen Tätigkeiten und Leistungen nur für Mitglieder zuließen, stieg die Mitgliederzahl in der Folgezeit sprunghaft an. Allerdings brachte die fast ausschließlich wirtschaftliche Betätigung des Vereins auch Probleme wie bürokratische Geschäftsführung, Helferbezahlung, Vermögensbeschaffung etc. – um nur einige zu nennen – und einen damit verbundenen erhöhten Verwaltungsaufwand mit sich. Wie die Protokollbücher jener Jahre eindrücklich bezeugen, kam es immer wieder zu Meinungsverschiedenheiten, Streitigkeiten und Kampfabstimmungen über Beschaffungen und vor allem auch über Vorstandsbesetzungen. Meist ging es dabei um das liebe Geld.

Neben der vorwiegend wirtschaftlichen Arbeit stand der Verein aber auch im Rahmen der damals so beliebten Dorfverschönerungswettbewerbe „Unser Dorf soll schöner werden“ den Bürgern der Gemeinde mit Rat und Tat zur Seite. Bedingt durch den allzu frühen Tod des Geschäftsführers Paul Wannemacher übernahm in einer außerordentlichen Generalversammlung im März 1963 Adolf Grauvogel dieses wichtige Amt. Die Generalversammlung im Jahr 1964 verständigte sich auf eine Sterbehilfekasse als neue Vereinseinrichtung, die 1975 wieder aufgelöst wurde. 1966 übergab Adolf Grauvogel das Amt des Geschäftsführers an Hermann Hartz. Wie gut Mitgliederversammlungen damals besucht waren, soll eine weitere eindrucksvolle Zahl verdeutlichen: von 320 Mitgliedern nahmen an der Generalversammlung im Mai 1967 120 Mitglieder teil. (Von einer solchen Versammlungsbeteiligung können Vereine heutzutage nur träumen!) Eine Kampfabstimmung bestätigte damals die beiden Vorsitzenden und den Geschäftsführer. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch die Tatsache, dass sogar die Planung und Durchführung des 60-jährigen Vereinsjubiläums im Jahre 1968 erst aufgrund eines knappen Mehrheitsbeschlusses vorangetrieben werden konnten. Das Fest selbst hatte dann zwar eine respektable Außenwirkung, aber ein großer finanzieller Erfolg war ihm leider nicht beschieden. Hermann Hartz trat als Geschäftsführer zurück, und mit Klara („Klärchen“) Kettenbaum wählte man zum ersten Mal eine Frau in das Amt des Geschäftsführers. Die Generalversammlung 1969  fasste den Beschluss, die bestehende Obstverwertungsanlage baulich zu erweitern. In Anerkennung ihrer Verdienste um den Verein wurden der Vorsitzende Gustav Hartz und Brennereileiter Johann Fuchs vom damaligen Kreisvorsitzenden Ast  mit der „Silbernen“ und Josef Schüler und Peter Wannemacher, zwei verdiente Ehrenmitglieder, sogar mit der „Goldenen Rose“, der höchsten Auszeichnung, die der Landesverband der Obst- und Gartenbauvereine damals vergab.

Die Güdinger Baufirma Huppert nahm den bereits angesprochenen Erweiterungsbau im Oktober 1971 in Angriff. In der Generalversammlung am 3. September 1972 konnte die Fertigstellung des Erweiterungsbaus festgestellt werden. Nach insgesamt 21 ½ Jahren an der Spitze des Vereins kandidierte Gustav Hartz in der Generalversammlung 1974 nicht mehr für das Amt des 1. Vorsitzenden. Raimund Kempf und Oskar Jung leiteten nun als 1. und 2. Vorsitzender die Vereinsgeschicke. Mussten die Mitglieder in der Versammlung 1975 noch zur Kenntnis nehmen, dass den Verein – bedingt durch den Erweiterungsbau – eine enorme Schuldenlast von 45.000 DM drückte, so konnte der Ausschuss im Dezember 1977 die freudige und beruhigende Nachricht entgegennehmen, dass die Obst- und Gartenbauer nunmehr wieder schuldenfrei waren.

Das Jahr 1978 markierte einen erneuten Wechsel im Amt des Geschäftsführers. Theresia Vogelgesang löste Klara Kettenbaum in dieser Funktion ab. Ebenfalls in diesem Jahr übernahm Johann Keßler die Aufgaben des Brennerei- und Betriebsleiters. Im Jahr darauf wurde Keßler dann zum 1. Vorsitzenden gewählt, und wenig später begann man mit umfangreichen Erneuerungs- und Reparaturarbeiten in der Obstverwertungsanlage. Als  man das 1. Ommersheimer Dorffest feierte, war der Obst- und Gartenbauverein gleich mit von der Partie und bis 1985 unverzichtbarer Bestandteil dieses dörflichen Großereignisses. Für das Jahr 1983 galt es, die Feierlichkeiten zum 75-jährigen Vereinsjubiläum zu planen, und aus diesem Grunde konstituierte sich im April 1982 ein entsprechender Festausschuss. Schließlich wurde dieser nicht alltägliche Geburtstag mit einem schönen Rahmenprogramm am 10. September 1983 in der Saarpfalz-Halle gefeiert. Im Jubiläumsjahr zählte der Verein 274 Mitglieder. 113 von ihnen erhielten im Rahmen des Festaktes für 40- bzw. 25-jährige Vereinstreue oder besondere Verdienste um den Verein eine Auszeichnung mit den entsprechenden Ehrennadeln in Gold oder Silber.

Im Festjahr selbst gab es auch einen Wechsel an der Vereinsspitze. Für Johann Keßler übernahm Oskar Jung das Amt des 1. Vorsitzenden. Ihm folgte 1985  Erwin Rinck nach. In dieses Jahr fiel auch die dringend anstehende Sanierung des Dachgebälks im Mostereigebäude. Das Jahr 1986 war ein recht erfolgreiches Jahr: über 14.000 Liter Schnaps wurden gebrannt, und die Einnahmen aus dem Verkauf von Apfelsaft und Schnaps beliefen sich auf über 100.000 DM. Aber auch von mehreren kleinen Problemchen und größeren Problemen blieb der Verein nicht verschont: man kämpfte mit einem Apfelsaft-Pilz, und zudem war das Brenngerät defekt und musste mit großem finanziellem Aufwand repariert werden. Auch im darauf folgenden Jahr gab es massive Beeinträchtigungen der Apfelsaftproduktion durch Mucor-Pilze. Eine beabsichtigte Umstellung auf Schraubverschluss-Flaschen sollte Abhilfe schaffen. 1991 beschloss die Generalversammlung letztendlich die Verschlussumstellung und konnte somit das Pilzproblem lösen. Ab 1992 war durch den Ankauf der Apfelsaft-Flaschen und der dazugehörigen Kisten ein enormer finanzieller Aufwand zu betreiben, sodass ein Darlehen aufgenommen werden musste. In der Folgezeit rekrutierte man „jüngere“ Pensionäre als Arbeitskräfte, um den ständig steigenden Personalbedarf decken zu können. Leider wurde die Obsternte dieses Jahres durch ein verheerendes Hagelunwetter am 20. August größtenteils zerstört. Im darauf folgenden Jahr stand man vor der Notwendigkeit, eine neue leistungsfähige Obstmühle für die Saftherstellung anzuschaffen, und da auch ausgerechnet während der Brennsaison das in die Jahre gekommene Brenngerät seinen Geist aufgab, war auch hier eine kostspielige Neuanschaffung notwendig geworden. Dankenswerterweise half die Jagdgenossenschaft Ommersheim mit einem beachtlichen finanziellen Zuschuss dem Verein damals aus der Klemme. Die Generalversammlung des gleichen Jahres ernannte Johann Keßler zum Ehrenmitglied und auch zum Ehrenvorsitzenden. In der zweiten Hälfte der 90ger-Jahre blieb die finanzielle Situation des Vereins weiterhin angespannt und bedingt durch den relativ bescheidenen Mitgliedsbeitrag von 12 DM per anno und die mäßigen Obsternten dieser Zeit konnte es auch nicht zu einer spürbaren Entlastung kommen. Eine Verbesserung der prekären Lage stellte sich erst 1999 ein.

In der Mitgliederversammlung 2000 gab es nach langen Jahren einen Wechsel an der Vereinsspitze, als mit Franz-Josef Wirbel ein neuer 1. Vorsitzender gewählt wurde. In der Folgezeit führte man notwendige Sanierungen an den Kelleraußentüren und am Dampferzeuger der Mosterei durch. Dank eines Zuschusses des Saarpfalz-Kreises und weiterer Gelder aus einem Förderprogramm des Umweltministeriums konnte endlich das noch bestehende Altdarlehen abgelöst werden. Nennenswerte Ereignisse des Vereinsjahres  2001 waren die Durchführung mehrerer Vorträge über Beerenobst und Gemüseanbau, der in Angriff genommene Ausbau des hinteren Lagerraums der Mosterei zur Kelterstube, die umfassende Erneuerung der Fenster des Mostereigebäudes sowie nicht zuletzt die Beitragsumstellung im Zuge der Euro-Einführung auf nunmehr 7 € pro Jahr. Im Rahmen des Projektes „Baumpa(ch)tenschaften“ wurden im Februar 2002 erstmalig 53 Bäume auf fremden Grundstücken gepflanzt.

Positive Auswirkung und Resonanz hatte auch der jährliche Besuch der 3. Grundschulklassen in der Kelterei, wo die aufgeschlossenen Schüler die Apfelsaftherstellung einmal „live“ erleben durften. Im Jubiläumsjahr 2003 – 95 Jahre Obst- und Gartenbauverein – konnte man sich endlich dazu durchringen, das Verfahren der Einziehung der Mitgliedsbeiträge zu ändern und – dem Zeitgeist Rechnung tragend – auf Bankeinzug umstellen. Nach erneuten und umfangreichen Renovierungsmaßnahmen, die alle in Eigenleistung erbracht wurden, konnte das bereits angesprochene Vereinsjubiläum am 15. Juni mit einem „Tag der offenen Tür“ unter der Schirmherrschaft und im Beisein von Landrat Clemens Lindemann, damals wie heute Präsident des Landesverbandes der Obst- und Gartenbauvereine Saarland/Rheinland-Pfalz, in allen Räumlichkeiten der Brennerei in großem Stil gefeiert werden. Eigens aus diesem Anlass hatte man den Film „Wir über uns“ drehen lassen, der an diesem Tag einer interessierten Öffentlichkeit vorgestellt werden konnte. Erstmals im Jahre 2004 feierte man den erfolgreichen Abschluss der Brennsaison mit allen Vorstandsmitgliedern, Helfern und Beteiligten sowie deren Partnern in der für solche Anlässe geradezu idealen Kelterstube. Mehrere Schnitt- sowie Veredelungskurse im vereinseigenen Veredelungsgarten neben der Kelterei, wo zuvor 44 junge Bäume angepflanzt worden waren, eine Orchideenwanderung und nicht zuletzt das nunmehr schon traditionelle „Grummbeerebrode“ rundeten die Aktivitäten eines wiederum erfolgreichen Vereinsjahres ab. Im darauffolgenden Jahr waren die Pflege der Zimmerpflanzen, Schnitt und Erziehung von Hausweinreben sowie die Fortsetzung der Veredelung die Hauptthemen auf der Vereinsagenda. Eine weitere Neuerung gab es auch mit der Vorstellung und Einführung der modernen Abfüllmöglichkeit von Apfelsaft in den – wie es neu-deutsch so schön heißt – „Bag-in-Box“-Verpackungen. Im Naherholungsgebiet am Gangelbrunnen wurde auch erstmalig ein Obstbaum gepflanzt, eine Aktion, die ab sofort fester Bestandteil des Jahresprogramms werden sollte. In der Mitgliederversammlung 2006 sahen sich die Verantwortlichen der Vereinsführung zu einer Beitragsanpassung auf 10 € pro Jahr gezwungen. Nach über 30 Jahren erfolgreicher Tätigkeit nahm Helene Vogelgesang Abschied von der Arbeit als Geschäftsführerin und übergab nebst den erforderlichen Unterlagen und Büchern die Verantwortung für dieses wichtige Amt an Rita Schwarz. Dass Ommersheim und seine „feierfreudigen“ Bewohner durchaus gewillt sind, auch noch weitere Feste ideell und finanziell zu unterstützen, zeigte sich anlässlich der erstmaligen Durchführung eines Erntedankfestes mit großer Apfelausstellung am Kirmessamstag 2006.  Der Veranstaltung war auf Anhieb ein derart großer Erfolg beschieden, dass man spontan den Entschluss fasste, das Erntedankfest als festen Termin im jährlichen Vereinsprogramm zu verankern. Ein Geschenk besonderer Art zum 100-jährigen Vereinsjubiläum machte sich der Verein quasi selbst. Mehrere Vereinsmitglieder brachten 2007 zusammenhängende Grundstücke ein, die es dem Verein ermöglichten, eine so genannte Storchenwiese anzulegen. Jedem neugeborenen Ommersheimer Kind schenkt der Verein einen Obstbaum, den die Eltern auf der Storchenwiese pflanzen und später mit den Kindern nutzen dürfen.

Im 100. Jubiläumsjahr 2008 hatte der Verein etwa 230 Mitglieder.

Nach mehr als 12-jähriger Tätigkeit als 1. Vorsitzender ist Franz-Josef Wirbel Anfang 2013 aus der Funktion ausgeschieden. Auf Vorschlag des gesamten Vorstandes des OGV Ommersheim wurde Franz-Josef Wirbel vom Kreisverband der Obst- und Gartenbauvereine Saarpfalz e.V. im September 2013 die „Silberne Rose“ verliehen. Mit dieser Ehrung würdigt der Kreisverband besondere Verdienste um den Obst- und Gartenbau.

In der Mitgliederversammlung des OGV Ommersheim am 25.01.2013 wurde als Nachfolger von Franz-Josef Wirbel das bisherige Vorstandsmitglied Martin Eifler zum 1. Vorsitzenden des Vereins gewählt. Auch im Jahr des 110. Jubiläums 2018 ist Martin Eifler 1. Vorsitzender.

Nach durchwachsenen Obstjahren 2014 und 2015 gab 2016 die in die Jahre gekommene Hydraulik an unserer Apfelpressanlage den „Geist auf“. Die gesamte Saftproduktion fiel 2016 aus. Dank finanzieller Unterstützung aus dem zuständigen Ministerium sowie insbesondere großen persönlichen Engagements von Vereinsmitgliedern konnte die Hydraulik zeitnah erneuert werden, so dass 2017 wieder Apfelsaft gepresst werden konnte.
Die Obsternte im Jubiläumsjahr 2018 war nach mehreren weniger guten Jahren wieder ansprechend.

In den letzten Jahren ist die Vereinsarbeit und damit auch die Arbeit im Obst- und Gartenbauverein Ommersheim zunehmend „verrechtlicht“ worden. Sozial- und Steuerrecht aber auch Arbeitnehmerschutzrecht und zuletzt auch Datenschutzrecht stellen echte Herausforderungen für die Vereine dar und verlangen zwangsläufig eine Professionalisierung der Vereinstätigkeit über das Kerngeschäft hinaus. Obwohl dies die Vereinsarbeit zugegeben belastet, oder vielleicht auch gerade deshalb, ist die Mitgliedschaft im OGV Ommersheim weiterhin attraktiv. Der Mitgliederbestand pendelte in den letzten Jahren stabil um die 250 Mitglieder. Gegenüber dem Bestand im Jahr des 100. Jubiläums in 2008 konnte sogar ein leichter Anstieg verzeichnet werden.

Unter der Schirmherrschaft des saarländischen Ministerpräsidenten Tobias Hans feierte der Verein am 15./16. September 2018 sein 110jähriges Bestehen. Ein besonderes Jubiläum, dem, so bleibt zu hoffen, noch viele weitere Jubiläen folgen werden.

„Auf jeden Raum – pflanz’ einen Baum
und pflege sein! Er bringt Dir’s ein!“